Nantesbuch

Nature Writing - Von der Natur schreiben

Schreibwerkstatt, Seminar und Naturerkundung vom 15. bis 18. April 2021

Bernd Koberling, Vor, 2003/04, 149,5 x 302,5 cm (VG Bild-Kunst, Bonn 2020)

Georg Forster und Alexander von Humboldt waren entscheidende Impulsgeber für die literarische Gattung des Nature Writing, das sich zunächst vor allem im angelsächsischen Raum entwickelt hat. Erst in den letzten Jahren gewinnt es auch im deutschsprachigen Raum an Bedeutung. Nature Writing beschäftigt sich – anders als oft behauptet wird – nicht nur mit unberührter, wilder Natur, sondern auch mit der Kulturlandschaft, also mit den von Menschen bearbeiteten Naturerscheinungen. Es beleuchtet das Verhältnis des Menschen zu seiner Umgebung – zu Landschaft, Lebenswelt und anderen Lebewesen. Häufig verbinden sich autobiografische Elemente mit essayistischen Reflexionen über die gesellschaftlichen Umstände und das eigene Naturerleben. Nicht zuletzt findet sich oft auch politische Programmatik in den mannigfaltigen Ausprägungen dieser Literatur.

Zum zweiten Mal lädt die Stiftung Nantesbuch in Kooperation mit dem Verlag Matthes & Seitz Berlin Autorinnen, Autoren und Literaturinteressierte zu einer konzentrierten Nature Writing Klasse ein. Ein Beitrag zur Entwicklung dieses literarischen Schreibens auf der Grenze zwischen Natur und Kunst im deutschsprachigen Raum.

Die besondere Qualität großer Texte des Nature Writing liegt in der Verbindung von literarisch-ästhetischem Kunstwillen mit der Vergegenwärtigung von Naturerscheinungen. J. A. Bakers ‚Der Wanderfalke’ gilt als ein solches Meisterwerk ambitionierten Nature Writings. Robert Macfarlane spricht von einem unvergleichlichen „Prosagedicht“. Baker, der jahrelang Wanderfalken im Osten Englands beobachtet hat, notiert vordergründig tagebuchartig authentische Beobachtungen und Reflexionen über die faszinierenden Raubvögel und ihre Lebensweise. Diese eindringlichen Wahrnehmungen werden dann mit artistischen Mitteln in ganz und gar fiktive Erlebnisse gewandelt. Viele könnten in Wahrheit so nie stattfinden. Der Text, der jede Datierung, Lokalisierung oder Verifizierung der Szenerie verwischt, macht das angeblich hingebungsvoll beobachtete Naturwesen zum ‚Kunstprodukt’: Nature Writing im Gegensatz zur sprach-ästhetisch formalen Naturschilderung, wie sie sich in Sachbüchern und naturkundlichen Dokumentationen findet.

Im Nature Writing gilt es, in jedem Text eine Spannung zwischen Authentizität und Kunstmitteln zu erzeugen. Dafür gibt es kein anwendbares Rezept aber einige hilfreiche Methoden. Ihnen widmet sich diese Schreib- werkstatt. In der konzentrierten und inspirierenden Atmosphäre des Langen Hauses und seiner umgebenden Landschaft erörtern die Teilnehmer beispielhafte Texte und nähern sich in eigenen Experimenten dieser besonderen Art des Schreibens mit und über Natur. Ausgewiesene Experten, Autoren und Literaturwissenschaftler geben Impulse, begleiten die Diskussionen und Textarbeit. Mit Andreas Rötzer, Jutta Person, Mark Cocker, Jürgen Goldstein, Ludwig Fischer, Peter Braun u.a.

Künstlerische Begleitung

Ausgewählte Autorinnen und Autoren arbeiten an den vier intensiven Werkstatt-Tagen mit den Teilnehmern:

Andreas Rötzer
Jutta Person
Mark Cocker
Jürgen Goldstein
Peter Braun
Jan Wagner
Ludwig Fischer ist Professor für Neuere deutsche Literatur und Medienkultur an der Universität Hamburg, außerdem Landschafts- und Naturtheoretiker, Schriftsteller, Gärtner und Kräuterexperte

Das Programm

Do, 15. April 2021

bis 14.00 Uhr
Anreise, Mittagessen

14.30 Uhr
Begrüßung, Einführung (Annette Kinitz, Stiftung Nantesbuch)

15.00 Uhr
Das Spannungsfeld von Kunstform und Naturerscheinung in Nature Writing (Prof. Ludwig Fischer)

16.00 Uhr
‚Hotspot’ im Gelände der Stiftung Nantesbuch (Dr. Konstantin Reetz, Stiftung Nantesbuch)
Erkundung des Hotspots im Gelände: Wahrnehmung und ihre Versprachlichung (Dr. Konstantin Reetz, SNB und Mark Cocker)

18.30
Abendessen und Kaminabend
mit Dr. Andreas Rötzer, Verlag Matthes & Seitz Berlin und Prof. Ludwig Fischer


Fr, 16. April

ab 9.30 Uhr
‚Sprachlandschaften’: Über das kunstvolle Sprechen von den Naturerscheinungen in Nature Writing mit anschließender Frage/Diskussionsrunde
(Prof. Dr. Jürgen Goldstein)

Literarische Werkstatt
mit Prof. Ludwig Fischer

Workshop im Gelände
mit Mark Cocker

Freies Arbeiten, Austausch


Sa, 17. April

ab 9.30 Uhr
Freies Arbeiten, Austausch

14.00 Uhr
Freier Gang ins Gelände

17.00 Uhr
‚Nature Writing as Literature’ mit anschließender Diskussion
(Mark Cocker)

20.00 Uhr
Öffentliche Abendveranstaltung im Langen Haus
mit Jan Wagner und Jutta Person, Moderation und Gespräch: Ludwig Fischer

So, 18. April

ab 9.30 Uhr
Freies Arbeiten / Werkstatt mit Jutta Person und Peter Braun

Abschlussdiskussion

14.00 Uhr
Abreise

Bewerbung und Teilnahmegebühr

Interessenten richten eine Bewerbung mit einseitigem Motivationsschreiben, Kurzvita und max. zehnseitiger Textprobe an langeshaus@stiftung-nantesbuch.de.

Bewerbungsschluss 30. November 2020
Bekanntgabe der Teilnehmer am 15. Januar 2021

Kostenbeitrag 300 € inkl. Verpflegung
Optional zzgl. drei Übernachtungen mit Frühstück im Langen Haus 198 € im EZ / 153 € im DZ p.P.

Kooperation

Die Schreibwerkstatt ist eine Kooperation der Stiftung Nantesbuch mit dem Verlag Matthes & Seitz Berlin.

Stiftung Nantesbuch gGmbH

T +49 (0) 8046 23192-0
info@stiftung-nantesbuch.de

Langes Haus
Karpfsee 12
D - 83670 Bad Heilbrunn

Veranstaltungen
T +49 (0) 8046 2319 115
veranstaltungen@stiftung-nantesbuch.de

Ansprechpartner

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