Nantesbuch
MOOSBRAND - LITERATUR- UND MUSIKFEST

Ohne Schatten keine Schönheit
Nachmittagspaket mit drei Lesungen

Herbert Brandl, Ohne Titel, 2003, Öl auf Leinwand, 130 x 175 cm, Kunstsammlung der Stiftung Nantesbuch
Herbert Brandl, Ohne Titel, 2003, Öl auf Leinwand, 130 x 175 cm, Kunstsammlung der Stiftung Nantesbuch

Bricht sich das Licht seine Bahn durch den grau-schwarzen Himmel, werden auch die Schatten der Nacht vertrieben. Im hellen Sonnenlicht ist alles viel nüchterner, rationaler, geschäftsmäßiger. Aber auch die menschlichen Unzulänglichkeiten und Schwächen treten nun eher hervor, die in der Phase der Ruhe und der Stille vor den Ansprüchen und Leistungen des Alltags befriedet wurden. All das, was die Nacht mit ihrem Dunkel verbergen konnte, ruft bei Tag nach ethischer und ästhetischer Rechtfertigung. Die Nacht ist privat und individuell, der Tag öffentlich und gemeinschaftlich. Während der Stunden der Arbeit, des Forschens, der Kommunikation sucht der Mensch nach Möglichkeiten und Orten, die ihm eine Entspannung erlauben, kurze Intervalle des Innehaltens, der Muße, Augenblicke des Zweifelns und Hinterfragens, Minuten für die Tagträume in die Zukunft und Erinnerungen an Vergangenes. Eine Suche nach Übergängen, die das Licht der Kenntnis mit Empathie verbinden. Eine Verantwortung für das Tun und Handeln ist nun wichtig. 

Dessen sind sich die Protagonisten des heutigen Tages bewusst, wenn sie am Lauf der Zeit teilnehmen, wissend, dass Dauer kein Vorzug ist: „Das Dauernde wird höher geachtet als das bald Vergehende; aber alle Blüte, alle schöne Lebendigkeit hat einen frühen Tod“ (Hegel). 

Halten wir den Moment fest, wenn am Morgen der Wind die Worte einsammelt, über das grelle Mittagslicht ein Schatten geworfen wird, wenn am Nachmittag die Uhr leiser tickt und eine einsame Frau die Abendstunden erwartet.


Drei Lesungen am Nachmittag

Der Windsammler
14.30 Uhr – Wiesenbühne im Freien
Marica Bodrožic: „Der Windsammler“
anschl. Gespräch mit Brigitte Labs-Ehlert

Ich liebe Aufbrüche. Und Umbrüche. Schritte, die mich selbst in Bewegung gebracht haben, sagt Marica Bodrožic. In „Der Windsammler“ erzählt sie von Personen, die aus der Zeit gefallen sind, gibt sie Figuren, die mit ganz eigenem Rhythmus und Zeitgefühl durch die mediterrane Landschaft streifen, eine Stimme. Diese Prosa ist durch und durch poetisch und voller magischer Bilder.


Lob des Schattens
16.00 Uhr - Giebelsaal
Hanns Zischler liest und kommentiert Tanizaki Jun’ichiro: „Lob des Schattens“

„Wie ein phosphorisierender Stein, der im Dunkel glänzt, aber bei Tageshelle jeglichen Reiz als Juwel verliert, so gibt es ohne Schattenwirkung keine Schönheit.“ Am Beispiel des Umgangs mit Licht und Schatten gelingt Tanizaki Jun’ichiro der faszinierende Entwurf einer japanischen Ästhetik. Kunstfertig und mit Leichtigkeit ergründet sein Essay die Wurzeln fernöstlicher Schönheit. Der Schauspieler, Übersetzer und Verleger Hanns Zischler stellt diesen Text vor, liest daraus und kommentiert. 


Der Lauf der Zeit
17.30 Uhr – Giebelsaal
Christoph Ransmayr: „Cox oder Der Lauf der Zeit“ anschl. Gespräch mit Hans Jürgen Balmes 

In atemberaubenden Bildern schreibt Christoph Ransmayr, wie der englische Uhrmacher Alister Cox – eine vom Schriftsteller erdachte fiktive Gestalt – einer Einladung des Kaisers von China folgt, um in der Verbotenen Stadt Uhren nach den Vorstellungen des sich allmächtig fühlenden Gottmenschen zu bauen. Die von Christoph Ransmayr ersonnenen Uhrwerke sollen die noch verbleibenden Stunden bis zum Ende eines Lebens und schließlich bis zur Ewigkeit anzeigen. Aber es ist wohl so: allein das Erzählen setzt sich über alle Grenzen der Zeit hinweg und kann über den Lauf der Zeit triumphieren.
 

Die Veranstaltungen können jeweils auch einzeln gebucht werden.

Beim Nachmittagsprogramm „Ohne Schatten keine Schönheit“ werden zwischen den Veranstaltungen Getränke und Speisen angeboten. 

Shuttle ab München und Penzberg 
Zu der Veranstaltungen besteht ein Bus-Shuttle-Angebot ab München und Penzberg. Beim Kauf der Eintrittskarte kann ein Shuttle-Ticket dazu erworben werden (3 €). 
Shuttle ab München: P&R Aidenbachstraße (Gmunder Str. 40, 81379 München) um 12.20 Uhr / Rückfahrt ab Langes Haus um 19.35 Uhr (Fahrzeit von ca. 60 Minuten) 
Shuttle ab Bhf. Penzberg um 13.05 Uhr / Rückfahrt ab Langes Haus um 19.35 Uhr (Fahrzeit ca. 15 Minuten)

Details

Samstag, 21.09.19
14.30 Uhr
Einlass: 14.00 Uhr

Regulär 30 €
Ermäßigt 24 €

Buchen

Wiesenbühne und Giebelsaal - Auf Wunsch zusätzlich buchbar: Shuttle ab München oder Penzberg (3 €)

Veranstaltungsort

Bad Heilbrunn: Langes Haus

Karpfsee 12
83670 Bad Heilbrunn

Mit

Kontakt

+ 49 (0)8046 2319 115 veranstaltungen@stiftung-nantesbuch.de

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